Teamviewer hat seinen Zenit überschritten


Schon längere Zeit ärgere ich mich über den Teamviewer. Es sind immer wieder Kleinigkeiten aber irgendwann wird es halt zu viel. Nachdem nun auch bekannt wurde, dass Teamviewer gar kein kleines nettes GmbHchen im beschaulichen Schwabenland mehr ist, sondern schon seit Jahren Teil eines Konzerns, kommen immer mehr Teile zusammen um Tschüss zu sagen. Aber der Reihe nach.

Der Anfang
Früher war alles gut. Kunde hatte Probleme, Teamviewer angeworfen, ID und Kennwort fertig. Es geht sogar noch einfacher, wenn man die IDs in der Cloud speichert. Das war am Anfang eine Offenbarung, wenn man davor mit pcAnywhere noch Firewalls manuell aufbohren musste, mit Kunden, die eh keinen Plan haben. Zumal man beliebig viele Kunden ohne Clientgebühren fernwarten konnte. Also nochmal ein Plus gegenüber viele andere damaliger Lösungen.

Eine zeit lang hätte sogar Microsoft im Bereich Remotesupport aktiv werden können mittels Remote Assistance und IPv6 mittels Teredo aber die sind ja blind.

Ein klarer Vorteil von Teamviewer ist auch die Plattformunabhängigkeit da Module für Windows, Mac OS X und Linux zur Verfügung stehen. Noch ein Pluspunkt war einen Neustart initiieren zu können und danach die Fernwartung fortsetzen zu können.

Technische Probleme häufen sich
Obwohl der Teamviewer weitgehend zuverlässig seine Arbeit macht, gab es doch immer wieder das eine oder andere Problem. Aber eigentlich alles Probleme die sich auf lange Sicht behoben haben, indem man neuere Versionen einsetzte.

Dennoch gibt es bestimmte Dinge, die einfach nie angegangen werden. Z. B. kann man eine Sitzung aufzeichnen und später anschauen, allerdings ist das Benutzerinterface dermaßen umständlich, dass es bei größeren Aufzeichnungen extrem mühsam ist, die gesuchte Stelle zu finden. Man kann zwar die Sitzung in eine übliche Videodatei mittels installierter Codes konvertieren lassen aber der Vorgang dauert schon so lange, dass man sich gleich mit den vorhandenen Mitteln seine Zeit vergeuden kann. Es gäbe so viele tolle Möglichkeiten, wenn der Videostream in einem Standardformat gespeichert würde.

Aufgrund des Erfolgs von Teamviewer ist er wahrscheinlich in Deutschland mit am verbreitetsten. Vor allem im KMU-Bereich. Soweit so gut. Dumm nur, wenn viele Hardwarebetreuer oder Kunden den Teamviewer in Vollversion auf Privatbasis installieren und dieser ständig im Hintergrund läuft. Das Problem dabei ist, dass viele unbedarfte Leute nicht wissen, was ein Systray bzw. Benachrichtigungsbereich ist. Dies führt zum Problem, dass wenn man schnell eine Fernwartung machen möchte und die Kunden den Quicksupport starten, dass es dann zu komischen, vor allem auch noch wechselnden Fehlermeldungen kommt. So wurde früher eine Proxy-Fehlermeldung angezeigt, wenn eine Instanz bereits im Hintergrund lief: https://newyear2006.wordpress.com/2011/05/25/teamviewer-meldet-keine-verbindung-zum-masterserver-oder-proxy-fehlermeldung/. Bei älteren Quicksupport Modulen bekommt man den Hinweis eine andere Instanz läuft bereits. Na Prima. Erst wenn man in der neuesten Fassung Teamviewer 9 und ein aktuelles Quicksupportmodul hat, bekommt man einen Hinweis:

Eine andere Instanz von TeamViewer läuft bereits. Bitte schließen Sie diese Instanz bevor Sie Teamviewer erneut starten.

Aktiven Teamviewer anzeigen   |   OK

Allerdings fängt damit kein normal sterblicher etwas an. Zumal, wenn man “Aktiven Teamviewer anzeigen” anklickt und dann die Instanz durch Schließen des Fenster zumacht, in den meisten Fällen, also in der Standardeinstellung die Instanz im Hintergrund weiterläuft. Nicht gerade logisch, wenn man davor eine Meldung angezeigt bekommt, die einem suggeriert man könnte die Instanz anzeigen lassen und dann schließen.

Nächster Fall, der im Prinzip mit der gerade geschilderten Problematik zu tun hat. Hat man eine Instanz des vollen Teamviewers im Hintergrund laufen und schafft es der Kunde, diese zu beenden, dann läuft immer noch ein Teamviewer Dienst im Hintergrund! D. h. es verschwindet das Symbol aus dem Benachrichtigungsbereich und die zugehöriger EXE wird beendet, aber der zugehörige Windows Service läuft weiter. Aber genau dieser Dienst führt dazu, dass wenn ein Quicksupportmodul aufgerufen wird, dass danach ein kontrollierter Neustart nicht mehr möglich ist. Einer der Vorteile von Teamviewer war immer einen Neustart des Remoterechners zu initialisieren und nach dem Neustart automatisch die Sitzung fortführen zu können. Aber dies ist nun aktuell nicht mehr möglich, wenn diese Meldung erscheint:

"Die gewünschte Aktion ist nur möglich, wenn Sie die auf diesem Computer installierte Version von Teamviewer verwenden oder keine andere Version von Teamviewer installiert ist."

Wenn man Teamviewer schon ein paar Jahre einsetzt und vor allem aktuell, durch den Umstieg von Windows XP auf neuere Systeme, sammeln sich extrem viele Kunden IDs. Für Teamviewer mag es ein toller Marketingerfolg sein von zig hundert Millionen betreuter Rechner zu reden. Die IDs sind zweifelsohne alle einmal erzeugt worden aber wie viele von denen werden aktiv benutzt? Genau dort taucht wieder ein Problem auf. Durch die vielen IDs durch Systemumstellungen sammeln sich hunderte von IDs und machen die Liste der Offlinekontakte zur Qual. Aus irgendwelchen unsinnigen Gründen wird auch noch die Liste der Offlinekandidaten ständig aufgeklappt, wobei dies gar nicht gewünscht ist.

Übrigens IPv6 wird auch nicht unterstützt, wahrscheinlich sogar bewusst nicht, da man sonst evtl. ohne den zentralen Teamviewerserver auskommen könnte.

Aber all diese Probleme werden von Teamviewer nie dokumentiert. Auch die Versionshistorie erstreckt sich auf ein Minimum an Information. Der Support von Teamviewer ist schlecht erreichen und hat gar kein Interesse Probleme anzugehen. Beschwerden werden mit E-Mailtickets meistens ausgesessen.

Das Highlight war dann im April 2014, als weltweit die Teamviewer Server ausfielen: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Fernwartungstool-Teamviewer-gestoert-2160262.html. Wenn man in bestimmten Dingen von solch einem Dienst abhängig ist, dann hängt vieles davon ab, wie auf solch eine Panne reagiert wird. Aber es gab keine offizielle Verlautbarung dazu. Ganz schlecht so was. Aber was will man von einer Firma erwarten, die über dubiose Methoden groß wurde: http://www.tomshardware.de/foren/239832-78-fernwartungssoftware-team-viewer.

Es geht nur ums Geld
Wie Eingangs erwähnt, war auch ich der Meinung – wie viele andere auch – es handelt sich um eine kleine schwäbische Firma die zu Weltruhm gelangte. Aber weit gefehlt. Durch eine Meldung auf Heise http://www.heise.de/newsticker/meldung/Fernwartungsspezialist-TeamViewer-unter-neuem-Eigentuemer-2250174.html etwas nachdenklich, was bei einem Unternehmen eine Milliarde Dollar wert sein kann, fing ich doch mal an näher zu schauen. Zumal die Software an einem Wochenende im Jahr 2005 entstanden sein soll: http://www.tentakel-tech.de/?p=592.

Interessant dabei ist, dass Teamviewer bereits am 29.07.2009 verkauft wurde und zwar an die Iapetos Holding GmbH, welche wiederum der GFI Software S.à r.l. in Luxemburg gehört. GFI Software gibt es schon seit Jahren und ist schon bereits zu Windows NT Zeiten aktiv gewesen, wobei die Firma in Luxemburg erst 2009 gegründet wurde und davor unter TV Holding S.à r.l. firmierte. Bereits am 24.07.2009 erhielt die TV Finance LLC ein Darlehen in Höhe von 15 Millionen USD von der Sillicon Valley Bank um den Kauf der Teamviewer GmbH durchzuführen. Bestimmte Finanztransaktionen wurden über die Britischen Jungferninseln (Virgin Islands) vorgenommen, vor allem wurde dazu auch eine Teamviewer Holding in Roadtown auf den Jungferninseln gegründet, die zum 6.12.2012 wieder aufgelöst wurde.

Diese Informationen kann man im Konzernabschluss 2010 der Iapetos Holding GmbH Unterschleißheim im Bundesanzeiger unter https://www.bundesanzeiger.de/ebanzwww/wexsservlet einsehen. D. h. wer die letzten Jahre brav seine Teamviewer Lizenzen gekauft hat, der hat das Großkapital und keine kleine aufstrebende Firma finanziert.

Jetzt wird mir auch klar, warum verschiedene Dinge so laufen wie sie laufen und dass es Zeit wird sich nach Alternativen umzuschauen. Zumal auch versucht wird die Marke Teamviewer auszuschlachten, indem man andere Produkte wie ITBrains und Cloudbackup anbietet. Wenn man der Meldung des neuen Eigentümers “Permira funds” glauben schenkt, dann werden die 500 Millionen Teamviewer Benutzer nun bearbeitet (“growth plans, … further penetration of its core customer…). Es wurden also 2 USD pro Benuter bezahlt. Blöd nur, dass Permira noch nicht mitbekommen hat, dass zig Millionen angebliche Benutzer schon lange plattgemacht und formatiert wurden.

Alternativen
Eine Alternative ist Google. OK nicht die beste aber eine. Google kennt eh schon alles und jeden, wer also nichts mehr zu verlieren hat, kann den Chrome Remote Desktop verwenden. https://newyear2006.wordpress.com/2012/05/23/remote-desktop-teamviewer-oder-netviewer-alternative-chromes-remoting-viewer/. Zumal Chrome wohl immer noch einer der sichersten Browser ist. Leider ist es aber keine einfache Lösung auch der Neustart des Remoterechners ist nicht vorgesehen.

Interessant dürfte diese Alternative werden. Scheinbar von Ex-Teamviewermitarbeitern gegründete Firma AnyDesk. http://anydesk.de/remote-desktop. Leider noch ganz am Anfang aber mit vielen Ambitionen, wie Plattformunabhängigkeit und Unterstützung von Neustarts. Momentan sogar noch umsonst.

Und natürlich gibt es wie immer die üblichen Verdächtigen wie VNC in Form von TightVNC, UltraVNC usw.

Stärker wird auch immer FreeRDP, welches ich im Zusammenhang mit der Hyper-V Administration hier schon mal genannt hatte: https://newyear2006.wordpress.com/2014/01/08/auf-virtuelle-maschinen-eines-microsoft-hyper-v-server-2012-r2-mittels-freerdp-zugreifen/.

2 Antworten to “Teamviewer hat seinen Zenit überschritten”

  1. Quirel Says:

    In diesem Zusammenhang: http://www.heise.de/newsticker/meldung/US-Regierung-fordert-Zugriff-auf-Daten-in-EU-Rechenzentren-2260639.html

  2. Tschüss Teamviewer– Alternative – Willkommen Remotehilfe | Das nie endende Chaos! Says:

    […] allem wird es irgendwann zur Plage. Hier hab ich mich schon mal über den Teamviewer ausgelassen: https://newyear2006.wordpress.com/2014/07/05/teamviewer-hat-seinen-zenit-berschritten/. Er hat seine Vorteile aber wenn es darum geht jemand unbedarftem schnell zu helfen, dann stößt […]

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